Ein Etikett ist keine Garantie. Es ist eine Behauptung. Der Unterschied ist bedeutsam.
Die EU betreibt ein gestuftes System geographischer Bezeichnungen. Drei sind im Gewürzbereich relevant.
IGU (g.g.A. — geschützte geographische Angabe) bindet ein Produkt an ein bestimmtes Gebiet und verlangt, dass mindestens eine Produktionsstufe — Erzeugung, Verarbeitung oder Herstellung — dort stattfindet. Kampot-Pfeffer, Piment d'Espelette, Grenobler Walnüsse: alle g.g.A.
AOP (g.U. — geschützte Ursprungsbezeichnung) ist strenger: Jede Produktionsstufe muss im definierten Gebiet erfolgen. Kein Gewürz hat bislang g.U.-Status erhalten, obwohl mehrere Anträge gestellt wurden.
Slow Food Presidi operieren außerhalb des EU-Rahmens. Ein Presidio ist kein Rechtstitel — aber oft ein Zeichen für ein granulareres Produktionsengagement als das regulatorische Minimum.
Drei Fallen
Erste Falle: Herkunft mit Zertifizierung verwechseln. „Produkt aus Kambodscha" sagt nichts über Sorte oder Verfahren. Zweite Falle: Privatmarkennamen, die offiziell klingen — „Grand Cru", „Prestige Reserve" — haben keinen Regelungsinhalt. Dritte Falle: falsch zugeschriebene g.g.A. Ein Produkt „hergestellt mit Kampot-Pfeffer" ist nicht dasselbe wie „Kampot-Pfeffer g.g.A."
Der verlässlichste Indikator neben der Zertifizierung ist ein benannter Erzeuger und eine rückverfolgbare Losnummer. Wenn ein Etikett alles verrät außer wer und wann — verbirgt es etwas.
Quellen
- 01.Règlement (UE) no 1151/2012 du Parlement européen — sur les régimes de qualité applicables aux produits agricoles et aux denrées alimentaires
- 02.INAO — Guide pratique des signes officiels de qualité et d'origine
- 03.Slow Food Foundation — Presidia project methodology
- 04.EU DOOR database — geographical indications registered in the EU