Die kleinen rostbraunen Hülsen, die als Sichuan-Pfeffer verkauft werden, sind weder Pfeffer noch Chili. Sie stammen von mehreren Arten der Gattung *Zanthoxylum* — Stacheleschen — und erzeugen eine Empfindung, die chinesische Köche *má* (麻) nennen: ein spezifisches prickelndes Taubheitsgefühl von Lippen und Zunge, anders als alles, was schwarzer Pfeffer oder Chili produziert. Das verantwortliche Molekül, Hydroxy-alpha-sanshool, aktiviert taktile (nicht Geschmacks-)Rezeptoren in der Schleimhaut bei einer Frequenz, die Neurowissenschaftler mit einer Fünfzig-Hertz-Vibration verglichen haben.
Zwei Arten, zwei Signaturen
Zwei Arten dominieren den Handel. *Zanthoxylum bungeanum* — oft chinesischer Rotpfeffer oder *hua jiao* (花椒) genannt — wächst in Sichuan, Shaanxi, Gansu und liefert das tiefe Zitrus-Blüten-Profil, das im klassischen *Mapo-Tofu* und in der Trocken-Pfann-Technik der sichuanesischen Küche verwendet wird. *Zanthoxylum piperitum* — der japanische Sanshō — ist kleiner, im frischen Zustand grüner und hat einen eher eukalyptusartigen Ton; er wird mit Aalgerichten kombiniert und über gegrilltem Hähnchen in der *Yakitori*-Kultur gestreut.
Eine dritte, *Zanthoxylum armatum* — die nepalesische Timut-Beere — ist in den letzten zehn Jahren in europäischen Speisekammern sichtbar geworden. Ihre Aromasignatur ist radikal anders: Grapefruit, Passionsfrucht, Mangoschale. Sie ist näher an einem Aroma als an einem Schärfegewürz.
Warum die leere Hülse zählt
Die aktive Verbindung konzentriert sich in der äußeren Hülse, nicht im schwarzen glänzenden Samen innen. Guter Sichuan-Pfeffer wird mit entfernten oder reduzierten Samen verkauft — Sie sehen kleine rosa-rote offene Hülsen, einige noch an einem holzigen Stiel. Billige Versionen enthalten Samen und Zweige in großer Menge, verdünnen den *má*-Effekt und fügen eine körnige Textur hinzu.
Die Lagerung ist unnachgiebig. Hydroxy-alpha-sanshool ist flüchtig und beginnt sofort nach dem Mahlen abzubauen. Innerhalb von sechs Monaten lässt das Kribbeln spürbar nach; innerhalb eines Jahres ist es größtenteils weg. Ganz kaufen, unmittelbar vor dem Kochen mahlen.
Wie die Küche ihn verwendet
Sichuan-Küche schichtet *má* mit Chili-Schärfe — die Kombination heißt *málà* (麻辣) — und erzeugt die charakteristische Gaumenarchitektur von Gerichten wie *Dan-Dan-Nudeln*, *Shui Zhu* (wassergekochtes Rindfleisch) und *La Zi Ji* (Chili-Hähnchen). Das Taubheitsgefühl geht der Schärfe voraus und erlaubt dem Koch höhere Chili-Dosen, ohne dass die Hitze untragbar wird.
Außerhalb Sichuans geht es beim Pfeffer weniger um *málà* und mehr um aromatischen Auftrieb. Französische und italienische Küchenchefs haben die Timut-Beere für Desserts und Fisch übernommen — *Zanthoxylum armatum* liefert besonders eine Grapefruit-Note, die zu bitterer Schokolade oder Sashimi passt.
Worauf achten
Eine gute Tüte zeigt offene rosa-rostfarbene Hülsen, wenige Samen oder Stängel, und — zwischen den Fingern gerieben — setzt ein deutliches Zitrus-Blüten-Aroma mit sofortigem Kribbeln auf feuchter Haut frei. Ohne Geruch und ohne Kribbeln ist es alte oder verfälschte Ware. Regionale Namen auf dem Etikett (Sichuan, Hanyuan, Da Hong Pao — letzterer ein Grad besonders aromatischer roter Hua Jiao) sind ein positives Signal; generischer „chinesischer Pfeffer" ist es nicht.
Quellen
- 01.Bautista D.M. et al. — 'Pungent agents from Szechuan peppers excite mechanoreceptors', Nature Neuroscience (2008)
- 02.Hagura N. et al. — 'Food vibrations: Asian spice sets lips trembling', Proceedings of the Royal Society B (2013)
- 03.Dunlop F. — 'Land of Plenty: A Treasury of Authentic Sichuan Cooking', W.W. Norton (2003)